Marschmusik - die Welt marschiert nicht gleich

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Marschmusik - die Welt marschiert nicht gleich

Was versteht man unter Marschmusik?

Ein Marsch als Musikgenre ist ein Musikstück mit einem starken regelmäßigen Rhythmus, das ursprünglich ausdrücklich für den Marsch zu einer Militärkapelle geschrieben und am häufigsten von dieser aufgeführt wurde.

Stimmungsmäßig reichen die Märsche vom bewegenden Todesmarsch in Wagners Götterdämmerung über die flotten Militärmärsche von John Philip Sousa bis hin zu den martialischen Hymnen des späten 19. Jahrhunderts.

Beispiele für den vielfältigen Einsatz des Marsches finden sich in Beethovens Eroica-Sinfonie, in den Märschen Militaires von Franz Schubert, in den Marche funèbre in Chopins Sonate in b-Moll und im Totenmarsch in Handels Saul

Besonderheiten der Marschmusik

Märsche können in jeder beliebigen Taktart geschrieben werden, aber die gebräuchlichsten Taktarten sind 4/4, 2/2, oder 6/8. Einige moderne Märsche werden jedoch in 1/2 oder 2/4 geschrieben. Das moderne Marschtempo liegt typischerweise bei etwa 120 Schlägen pro Minute. Viele Trauermärsche entsprechen dem römischen Standard von 60 Takten pro Minute. Das Tempo entspricht dem Tempo von Soldaten, die im Schritt gehen. Beide Tempi erreichen den Standard-Takt von 120 Schritten pro Minute.

Jeder Abschnitt eines Marsches besteht typischerweise aus 16 oder 32 Takten, die sich wiederholen können. Am wichtigsten ist, dass ein Marsch aus einem starken und gleichmäßigen perkussiven Schlag besteht, der an militärische Feldtrommeln erinnert.

Marschmusik wechselt häufig einmal die Tonart, moduliert in die Subdominante und kehrt gelegentlich in die ursprüngliche Tonart zurück. Wenn er in einer Molltonart beginnt, moduliert er zur relativen Durtonart. Bei Märschen werden häufig Gegenmelodien während der Wiederholung einer Hauptmelodie eingeführt.

Märsche haben häufig eine vorletzte "Dogfight"-Stimmung, bei der sich zwei Gruppen von Instrumenten (hoch/tief, Holz-/Blasinstrumente usw.) in einem Statement-/Antwort-Format abwechseln. In den meisten traditionellen amerikanischen Märschen gibt es drei Stämme. Die dritte Variante wird als "Trio" bezeichnet.

Verschiedene Länder, verschiedene Märsche

Das Marschtempo von 120 Schlägen oder Schritten pro Minute wurde angeblich von Napoleon Bonaparte angepasst, damit seine Armee schneller vorankommen konnte. Da er plante, das eroberte Gebiet zu besetzen, anstatt dass seine Soldaten ihren gesamten Proviant mit sich führten, würden sie vom Land leben und schneller marschieren.

Das französische Marschtempo ist schneller als das traditionelle Tempo der britischen Märsche; die Briten nennen Märsche im französischen Tempo Schnellmärsche. Traditionelle amerikanische Märsche verwenden das französische oder schnelle Marschtempo.

Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens übernahmen US-Militärkapellen das Marschtempo Frankreichs und anderer kontinentaleuropäischer Nationen, die den USA während ihrer frühen Kriege mit Großbritannien halfen. Zweitens war der Komponist der größten amerikanischen Märsche, John Philip Sousa, portugiesischer und deutscher Abstammung. Portugal benutzte ausschließlich das französische Tempo - das Standardtempo, das Sousa während seiner musikalischen Ausbildung erlernte.

Eine Militärkapelle, die im traditionellen britischen Marschtempo spielt oder marschiert, scheint in den Vereinigten Staaten ungewöhnlich langsam zu sein.

Verbindung zum Militär

Die Marschmusik stammt aus dem Militär, und Märsche werden gewöhnlich von einer Marschkapelle gespielt. Die wichtigsten Instrumente sind verschiedene Trommeln (insbesondere die Kleine Trommel), Hörner, Pfeifen- oder Holzblasinstrumente und Blechblasinstrumente.

Märsche und Marschkapellen haben auch heute noch eine starke Verbindung zum Militär, sowohl zum Exerzieren als auch zu Paraden. Märsche, die in Schritten mit einem Vielfachen des normalen Herzschlags gespielt werden, können eine hypnotische Wirkung auf die marschierenden Soldaten haben und sie in Trance versetzen.

Dieser Effekt war bereits im 16. Jahrhundert weithin bekannt und wurde eingesetzt, um die Soldaten in geschlossenen Reihen gegen das feindliche Feuer in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts zu führen.

Marschmusik ist oft wichtig für feierliche Anlässe. Prozessions- oder Krönungsmärsche, wie der beliebte Krönungsmarsch aus Le prophète von Giacomo Meyerbeer und die vielen Beispiele von Krönungsmärschen, die englische Komponisten wie Edward Elgar, Edward German und William Walton für britische Monarchen geschrieben haben, sind alle in traditionellen britischen Tempi gehalten.

Die Geschichte der Marschmusik

Märsche wurden erst im späten 16. Jahrhundert notiert; bis dahin wurde die Zeit im Allgemeinen allein durch Perkussionen gehalten, oft mit improvisierten Pfeifenverschönerungen. Mit der umfangreichen Entwicklung der Blechblasinstrumente, insbesondere im 19. Jahrhundert, wurden Märsche weit verbreitet und oft aufwendig orchestriert.

Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Hector Berlioz, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Gustav Mahler, Ralph Vaughan Williams, Charles Ives, Arnold Schönberg, Igor Strawinsky, Alban Berg, Sergej Prokofjew, Paul Hindemith, Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein schrieben Märsche und bauten sie manchmal in Opern, Sonaten, Suiten und Symphonien ein. Die Popularität der Bandmärsche von John Philip Sousa ist unübertroffen.

Der Stil des traditionellen Symphonie-Marsches lässt sich auf symphonische Stücke aus der Renaissancezeit zurückführen, beispielsweise auf Stücke, die für den Adel geschrieben wurden.

Der Deutsche und Österreichische Marsch-Stil

Deutsche Märsche bewegen sich in einem sehr strengen Tempo von 110 Schlägen pro Minute und haben eine starke oom-pah-polka-ähnliche/folkartige Qualität, die sich aus dem Spiel der Großen Trommel und der tiefen Blechbläser auf den Downbeats und den Alt-Stimmen, wie Peck-Horn und Kleine Trommel, die auf den Offbeats spielen, ergibt. Dies verleiht diesen Märschen eine sehr martialische Qualität. Die tiefen Blechbläser sind oft in mindestens einem Stamm eines deutschen Marsches prominent vertreten.

Um die rhythmische Martialität der meisten Sätze auszugleichen, hat der letzte Satz (das Trio) oft eine lyrische (wenn auch etwas bombastische) Qualität. Zu den namhaften deutschen und österreichischen Marschkomponisten gehören Carl Teike ("Alte Kameraden"), Hermann Ludwig Blankenburg, Johann Gottfried Piefke ("Preußens Gloria"), Hans Schmid, Josef Wagner und Karl Michael Ziehrer.